Berlin, den 26. April 2002
Wie ist es möglich, gegenüber einer rein ökonomischen Ethik den Nutzen menschlicher Werte zu kommunizieren? Diese Frage stellt sich heute in besonderem Maße, wenn man davon ausgeht, dass jedes Unternehmen die Aufgabe der verantwortlichen Vermittlung zwischen dem Systeminteresse und den persönlichen Bedürfnissen der Menschen nach innen und außen hat. Michael Löhner, Unternehmenskulturberater aus Zürich, zeigte in seinem hochaktuellen Vortrag auf der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland in Dresden sowohl Orientierungsschwächen als auch Handlungsalternativen auf.
Besonders Unternehmen, die multikulturell tätig sind, müssen den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit berücksichtigen. Weniger Führungskräfte als vielmehr Führungspersönlichkeiten sind in der Lage, die Fähigkeit und Bereitschaft zum Aufbau von Vertrauensfeldern zu entwickeln. Es gilt, den Menschen nicht auf die reine Funktion zu reduzieren, das ist würdelos. Ethische Orientierung ist gefragt. Zwar wird dies heute vom allgemeinen Bewusstsein her auch von den meisten Unternehmen verstanden. In fast jeder Unternehmensphilosophie klingt durch, dass die Mitarbeiter einen besonderen Stellenwert in diesem Hause haben.
Aber bei den Diskussionen um Werte und Wertewandel wird nicht selten stillschweigend davon ausgegangen, dass mit dem Bekenntnis zu Werten und der Information über diese Werte auch Handlungskonsequenzen verbunden sind. Worte jedoch "kochen keinen Reis" sagen die Chinesen. Es bleibt weiterhin die Forderung, neben der Wahrung der ökonomischen Interessen den Mitarbeiter in besonderer Weise an die Bedeutung der Unternehmenswerte heranzuführen.
Michael Löhner: "Unternehmenskultur ist Kommunikationskultur". So führen gemeinsame Erkenntnisgespräche über das Problem zum gemeinsamen Erkenntnisfortschritt im Kampf gegen das Problem. Grundsätzlich ist Sprechen immer besser als Schreiben. Gerade wenn es um strukturelle Veränderungen im Unternehmen geht, ist Vertrauen bei Mitarbeitern am ehesten mit einem informierenden Dialog zu gewinnen. Letztlich geht es immer um die Balance zwischen funktionaler Kommunikation, also um Sachdatenaustausch und Korrekturverhalten. Und andererseits um die personale Kommunikation, die die Beziehung unterstützt. Erst beides zusammen ist sinnvoll und ergibt soziale Geborgenheit als Voraussetzung zur sozialen Gesundheit. Leider hat die funktionale Kommunikation nicht selten einen zu großen Anteil.
Kommunikation steht auch im Mittelpunkt beim Direktvertrieb. Der Kauf zu Hause hat eine hohe soziale Komponente. Hier werden in den eigenen vier Wänden qualitativ hochwertige Güter erklärt, ohne Zeitdruck zum Testen zur Verfügung gestellt, und es findet zumeist eine umfangreiche Beratung statt. Besonders die "Parties", auf denen z.B. Haushaltswaren oder Kosmetika vorgeführt werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. Denn hier spielt sich Kaufen wie in einem Freundeskreis ab und geht weit darüber hinaus mit ein bisschen Klatsch und allgemeinem Informationsaustausch und nicht zu unterschätzen in einer positiven fröhlichen Atmosphäre.
Da die reale Kommunikation, der persönliche Dialog in der technisierten Welt noch wachsen werden, hat der Direktvertrieb in Zukunft weiterhin große Chancen.
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